Zum Inhalt springen
Blog/Fuhrpark

Führerscheinkontrolle: Pflicht für Arbeitgeber im Fuhrpark

5. März 20265 min

Ein Aussendienstmitarbeiter verliert am Wochenende seinen Führerschein wegen Alkohol. Am Montag steigt er trotzdem in den Dienstwagen. Er baut einen Unfall mit Personenschaden. Wer haftet? Der Fuhrparkverantwortliche -- persönlich, strafrechtlich, nach § 21 StVG. Genau deshalb ist die Führerscheinkontrolle keine Formalie, sondern eine der wichtigsten Pflichten im Fuhrpark. Wie oft du kontrollieren musst und welche Methoden es gibt, steht hier.

Die gesetzliche Grundlage: § 21 StVG

Die Pflicht zur Führerscheinkontrolle ergibt sich aus § 21 StVG (Straßenverkehrsgesetz). Dort heißt es sinngemäß:

Wer ein Fahrzeug anordnet oder zulässt, dass es von einer Person ohne die erforderliche Fahrerlaubnis geführt wird, macht sich strafbar.

Das bedeutet: Der Halter (also das Unternehmen) und der Verantwortliche (Fuhrparkmanager, Geschäftsführer) haften persönlich, wenn ein Mitarbeiter ohne gültige Fahrerlaubnis ein Firmenfahrzeug führt.

Strafmaß bei Verstößen

  • Fahren ohne Fahrerlaubnis (Fahrer): Freiheitsstrafe bis zu 1 Jahr oder Geldstrafe
  • Zulassen des Fahrens ohne Fahrerlaubnis (Halter/Verantwortlicher): Freiheitsstrafe bis zu 1 Jahr oder Geldstrafe
  • Ordnungswidrig: Bei fahrlässiger Nichtkenntnis Bußgeld bis zu 20.000 EUR

Die persönliche Haftung kann nicht auf das Unternehmen abgewälzt werden. Der verantwortliche Fuhrparkmanager oder Geschäftsführer haftet persönlich strafrechtlich.

Wie oft muss der Führerschein kontrolliert werden?

Mindeststandard: 2x pro Jahr

Die Rechtsprechung und Empfehlungen der Berufsgenossenschaften sehen eine Kontrolle mindestens zweimal jährlich vor. Dieser Mindeststandard hat sich als Branchenpraxis etabliert und wird von Gerichten als ausreichend angesehen.

Empfehlung: Quartalsweise Kontrolle

Viele Fuhrparkexperten empfehlen eine quartalsweise Kontrolle (4x pro Jahr). Das bietet ein deutlich höheres Sicherheitsniveau, denn:

  • Zwischen zwei halbjährlichen Kontrollen können bis zu 6 Monate vergehen, in denen ein Fahrer seinen Führerschein verlieren könnte
  • Bei Verkehrsdelikten (z. B. Alkohol am Steuer) kann der Führerschein sofort eingezogen werden
  • Quartalsweise Kontrolle zeigt bei einer Prüfung durch die Berufsgenossenschaft besondere Sorgfalt

Anlassbezogene Kontrolle

Zusätzlich zu den regulären Kontrollen sollte eine Sonderkontrolle stattfinden bei:

  • Kenntnis von Verkehrsdelikten eines Mitarbeiters
  • Hinweisen auf Führerscheinentzug
  • Unfällen mit Dienstfahrzeugen
  • Rückkehr nach längerer Abwesenheit (Krankheit, Elternzeit)

Methoden der Führerscheinkontrolle

1. Manuelle Sichtkontrolle (Klassisch)

Der Fuhrparkverantwortliche lässt sich den physischen Führerschein vorzeigen und dokumentiert die Kontrolle.

Ablauf:

  1. Führerschein vorzeigen lassen
  2. Gültigkeit prüfen (Ablaufdatum bei neuen EU-Führerscheinen)
  3. Fahrerlaubnisklassen abgleichen (B, BE, C, etc.)
  4. Kontrolle im Formular dokumentieren (Datum, Prüfer, Ergebnis)
  5. Ggf. Kopie anfertigen (Datenschutz beachten)

Vorteile: Kein technischer Aufwand, sofort umsetzbar Nachteile: Zeitaufwand bei großen Fuhrparks, schwer bei dezentralen Teams, Fälschungen schwer erkennbar

2. Elektronische Führerscheinkontrolle (RFID/NFC)

Moderne Systeme nutzen einen RFID-Chip oder NFC-Aufkleber, der auf den Führerschein geklebt wird:

Ablauf:

  1. Einmalige persönliche Identifikation und Führerscheinprüfung
  2. RFID/NFC-Siegel auf den Führerschein aufkleben
  3. Fahrer scannt den Führerschein periodisch an einem Terminal oder per Smartphone
  4. System dokumentiert die Kontrolle automatisch

Anbieter im DACH-Raum: LapID, Fleetster, Fleet+, DriverCheck

Vorteile: Automatisiert, revisionssicher, ideal für dezentrale Flotten Nachteile: Einmalige Einrichtungskosten (5–15 EUR/Fahrer/Jahr), Siegelmanipulation theoretisch möglich

3. App-basierte Kontrolle

Neuere Lösungen nutzen Smartphone-Apps mit Foto-Erkennung und KI-gestützter Dokumentenprüfung:

Ablauf:

  1. Fahrer fotografiert Führerschein mit der App
  2. App prüft Echtheit (Hologramm, Schriftart, Foto)
  3. Ergebnis wird automatisch dokumentiert
  4. Erinnerungen bei fälligen Kontrollen

Vorteile: Kein physischer Kontakt nötig, gut für Remote-Mitarbeiter Nachteile: Kameraqualität relevant, bei beschädigten Führerscheinen problematisch

Dokumentation der Führerscheinkontrolle

Eine ordnungsgemäße Dokumentation muss folgende Angaben enthalten:

  • Name des Fahrers
  • Führerscheinnummer
  • Fahrerlaubnisklassen
  • Gültigkeit des Führerscheins
  • Datum der Kontrolle
  • Name des Kontrolleurs
  • Ergebnis (gültig / nicht gültig / eingeschränkt)
  • Unterschrift (bei manueller Kontrolle)

Aufbewahrungsfrist

Eine gesetzliche Aufbewahrungsfrist ist nicht explizit definiert. Empfehlung: Dokumentation mindestens 3 Jahre aufbewahren, um bei Rückfragen oder Gerichtsverfahren einen ausreichenden Zeitraum nachweisen zu können.

Datenschutz (DSGVO)

Die Führerscheinkontrolle ist datenschutzrechtlich auf Basis des berechtigten Interesses (Art. 6 Abs. 1 lit. f DSGVO) oder der Vertragserfüllung (Art. 6 Abs. 1 lit. b DSGVO) zulässig. Mehr zum Thema Datenschutz im Fuhrpark erfährst du in unserem Artikel DSGVO im Fuhrpark. Beachte:

  • Führerscheinkopien nur speichern, wenn erforderlich
  • Keine Weitergabe an Dritte ohne Rechtsgrundlage
  • Löschung nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses (plus angemessene Nachlaufzeit)
  • Information der Mitarbeiter über die Datenverarbeitung

Was passiert bei fehlender Kontrolle?

Ein Praxisbeispiel verdeutlicht die Konsequenzen:

Ein Außendienstmitarbeiter verliert wegen einer Trunkenheitsfahrt am Wochenende seinen Führerschein. Am Montag fährt er wie gewohnt mit dem Dienstwagen zum Kunden. Er verursacht einen Unfall mit Personenschaden.

Folgen für den Arbeitgeber:

  • Strafverfahren gegen den Fuhrparkverantwortlichen wegen § 21 StVG
  • Regressansprüche der Versicherung (die Kfz-Haftpflicht zahlt zwar an den Geschädigten, kann aber den Halter in Regress nehmen)
  • Berufsgenossenschaftliche Konsequenzen
  • Zivilrechtliche Schadensersatzansprüche

Hätte die Kontrolle geholfen? Nicht unmittelbar in diesem Fall – der Führerscheinentzug war erst am Wochenende. Aber: Ein etabliertes Kontrollsystem mit Meldepflicht hätte den Mitarbeiter verpflichtet, den Entzug sofort zu melden. Ohne solches System ist der Arbeitgeber in der Beweispflicht.

Best Practices für Arbeitgeber

  1. Dienstanweisung erstellen: Verpflichte alle Dienstwagennutzer schriftlich, den Verlust der Fahrerlaubnis unverzüglich zu melden.
  2. Kontrollintervalle festlegen: Mindestens halbjährlich, besser quartalsweise.
  3. Verantwortlichkeiten klären: Wer kontrolliert? Schriftliche Pflichtenübertragung erstellen.
  4. System wählen: Ab 20 Fahrzeugen lohnt sich eine elektronische Lösung.
  5. In die Car Policy integrieren: Die Kontrollpflicht und Meldepflicht des Fahrers gehören in die Car Policy.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Muss ich auch bei Poolfahrzeugen den Führerschein kontrollieren?

Ja. Auch bei Poolfahrzeugen muss sichergestellt sein, dass nur Personen mit gültiger Fahrerlaubnis fahren. Lösung: Schlüsselausgabe nur gegen Führerscheinvorlage oder elektronisches Schlüsselmanagementsystem.

Was ist bei ausländischen Führerscheinen zu beachten?

EU-/EWR-Führerscheine sind in Deutschland gültig. Bei Drittstaaten-Führerscheinen muss nach 6 Monaten Aufenthalt ein deutscher Führerschein erworben werden. Prüfe bei internationalen Mitarbeitern die Anerkennungsregeln.

Kann ich die Führerscheinkontrolle an einen Dienstleister auslagern?

Ja. Die Durchführung kann ausgelagert werden, die Organisationsverantwortung bleibt beim Arbeitgeber. Stelle sicher, dass der Dienstleister ein revisionssicheres Protokoll liefert.

Fazit

Die Führerscheinkontrolle ist keine bürokratische Pflichtübung, sondern ein wesentlicher Baustein der Fuhrpark-Compliance. Mit modernen elektronischen oder App-basierten Lösungen lässt sie sich auch bei dezentralen Flotten effizient umsetzen. Integriere die Kontrollpflicht in deine Car Policy und dokumentiere jeden Kontrollvorgang revisionssicher – Polazy hilft dir dabei, diese Anforderungen in der digitalen Dienstwagenrichtlinie abzubilden. Jetzt kostenlos testen.

Weiterführende Artikel