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Blog/Fuhrpark

Fuhrpark-Reporting: 10 Kennzahlen, die jeder Fuhrparkmanager kennen sollte

22. Februar 20269 min

Du kannst nicht managen, was du nicht misst. Diesen Satz hat wahrscheinlich jeder schon mal gehört -- und im Fuhrpark stimmt er besonders. Trotzdem fliegen die meisten Flotten auf Sicht. Der Fuhrparkleiter hat ein Gefühl dafür, welche Fahrzeuge Probleme machen. Die Buchhaltung kennt die monatlichen Kosten. Aber ein systematisches Reporting? Fehlanzeige.

Dabei sind die richtigen Kennzahlen der Unterschied zwischen einem Fuhrpark, der Geld verbrennt, und einem, der effizient läuft. Hier sind zehn KPIs, die du kennen und regelmäßig auswerten solltest.

1. Gesamtkosten pro Fahrzeug (TCO/Fahrzeug)

Die Mutter aller Fuhrpark-Kennzahlen. Wie viel kostet jedes Fahrzeug pro Monat -- inklusive aller Kosten? Nicht nur die Leasingrate, sondern die vollständige TCO.

Formel: (Alle Fahrzeugkosten über 12 Monate) / 12

Benchmark: Für einen typischen Mittelklasse-Firmenwagen (Golf-Klasse) liegen die Gesamtkosten bei 700-900 EUR/Monat. Oberklasse (5er BMW, E-Klasse) bei 1.100-1.400 EUR/Monat.

Wenn ein Fahrzeug deutlich über dem Benchmark liegt, stimmt etwas nicht. Häufige Ursachen: zu hoher Kraftstoffverbrauch, überdurchschnittlich viele Schäden, teure Wartung wegen versäumter Intervalle.

2. Kosten pro Kilometer

Noch aussagekräftiger als die Kosten pro Fahrzeug, weil sie die Nutzungsintensität einbezieht.

Formel: Gesamtkosten / gefahrene Kilometer

Benchmark: PKW im Fuhrpark sollten bei 0,35-0,55 EUR/km liegen. Unter 0,35 EUR/km ist exzellent. Über 0,60 EUR/km deutet auf ein Problem hin -- entweder zu hohe Fixkosten oder zu wenig Nutzung.

Diese Kennzahl ist besonders wertvoll für den Vergleich zwischen verschiedenen Fahrzeugtypen und Antriebsarten. Ein E-Auto mit niedrigen variablen Kosten kann pro Kilometer günstiger sein, obwohl die Fixkosten höher ausfallen.

3. Auslastungsquote

Wie viele Tage im Jahr wird ein Fahrzeug tatsächlich genutzt?

Formel: (Tage mit Nutzung / verfügbare Tage) x 100

Benchmark: Poolfahrzeuge sollten eine Auslastung von mindestens 60-70 % erreichen. Personenbezogene Dienstwagen liegen naturgemäß höher, weil sie einem Fahrer fest zugeordnet sind.

Eine Auslastung unter 50 % bei Poolfahrzeugen ist ein klares Signal: Du hast zu viele Autos. Jedes Fahrzeug, das mehr steht als fährt, erzeugt Fixkosten ohne Nutzen. Hier lohnt es sich, über eine Reduzierung der Flotte oder den Umstieg auf Carsharing-Modelle nachzudenken.

4. Schadenquote

Wie viele Fahrzeuge hatten im Berichtszeitraum mindestens einen Schadensfall?

Formel: (Fahrzeuge mit Schaden / Gesamtfahrzeuge) x 100

Benchmark: Eine Schadenquote unter 20 % ist gut. 20-35 % ist Durchschnitt. Über 35 % solltest du Maßnahmen ergreifen -- Fahrerschulungen, strengere Parkregeln, Dashcams.

Mindestens genauso wichtig ist die durchschnittliche Schadenhöhe. Viele kleine Kratzer sind ärgerlich, aber finanziell weniger dramatisch als ein schwerer Unfall pro Jahr. Differenziere in deinem Reporting zwischen Bagatellschäden (unter 1.000 EUR) und relevanten Schäden.

5. Kraftstoff-/Energiekosten pro 100 km

Was verbraucht die Flotte tatsächlich -- nicht was im Datenblatt steht?

Formel: (Gesamtkraftstoffkosten / gefahrene Kilometer) x 100

Benchmark: Stark fahrzeugabhängig. Wichtiger als der Absolutwert ist die Entwicklung über die Zeit und der Vergleich zwischen ähnlichen Fahrzeugen. Wenn Fahrer A mit dem gleichen Fahrzeugmodell 30 % mehr verbraucht als Fahrer B, gibt es einen Grund dafür.

Diese Kennzahl hilft auch beim Aufdecken von Tankkartenmanipulation. Klingt unangenehm, kommt aber vor: Laut Branchenschätzungen werden 3-5 % aller Tankkartenumsätze missbräuchlich getätigt.

6. Wartungskosten pro Fahrzeug

Was kostet Wartung und Reparatur im Durchschnitt?

Formel: (Gesamte Wartungs- und Reparaturkosten) / Anzahl Fahrzeuge

Benchmark: Neufahrzeuge im ersten Jahr: 200-400 EUR. Ab dem dritten Jahr steigen die Kosten auf 600-1.000 EUR. Ab dem fünften Jahr kann es deutlich mehr werden.

Ein steiler Anstieg der Wartungskosten bei einem einzelnen Fahrzeug ist ein Warnsignal. Irgendwann ist der Punkt erreicht, an dem die Reparaturkosten den Restwert des Fahrzeugs übersteigen. Dann wird es Zeit, sich vom Fahrzeug zu trennen.

7. Standzeit (Downtime)

Wie viele Tage war ein Fahrzeug wegen Wartung, Reparatur oder Schadenabwicklung nicht verfügbar?

Formel: Summe aller Nicht-Verfügbarkeitstage / Anzahl Fahrzeuge

Benchmark: Unter 10 Tage pro Jahr ist gut. 10-20 Tage ist akzeptabel. Über 20 Tage deutet auf Probleme hin -- entweder schlechte Werkstattplanung, lange Ersatzteillieferzeiten oder zu viele Schäden.

Standzeit ist teuer. Ein Außendienstmitarbeiter ohne Auto kostet das Unternehmen schnell 300-500 EUR pro Tag an entgangenem Umsatz. Das wird in Fuhrpark-Reportings fast nie berücksichtigt, ist aber ein massiver Kostenfaktor.

8. Vertragslaufzeit-Übersicht

Wann laufen welche Verträge aus? Wie viele Fahrzeuge müssen in den nächsten 3, 6, 12 Monaten ersetzt werden?

Das ist keine klassische Kennzahl im mathematischen Sinn, aber eine der wichtigsten Informationen im Fuhrpark-Reporting. Wer die Vertragstermine nicht im Blick hat, bestellt zu spät -- und bestellt unter Zeitdruck trifft man schlechte Entscheidungen. Lieferzeiten von 4-8 Monaten bei Neuwagen sind 2026 immer noch Realität.

Ein gutes Reporting zeigt die Vertragsausläufe als Timeline: Welche Fahrzeuge laufen wann aus, und was ist der Plan für den Ersatz?

9. CO2-Ausstoß pro Kilometer (Flottenweiter Durchschnitt)

Nicht nur wegen ESG-Reporting relevant, sondern auch finanziell. Der CO2-Ausstoß korreliert direkt mit Energiekosten und wird durch die CO2-Bepreisung immer teurer.

Formel: Summe aller CO2-Emissionen / Summe aller gefahrenen Kilometer

Benchmark: Der EU-Flottengrenzwert für Neuwagen liegt 2026 bei 93,6 g CO2/km (WLTP). Bestehende Flotten liegen oft bei 120-160 g/km. Jedes Elektrofahrzeug in der Flotte drückt den Schnitt nach unten.

Diese Kennzahl wird zunehmend auch von Kunden und Geschäftspartnern abgefragt -- im Rahmen von Nachhaltigkeitsberichten und Lieferketten-Audits. Wer sie nicht parat hat, wirkt unprofessionell.

10. Fuhrpark-ROI

Die Königskennzahl: Was bringt der Fuhrpark dem Unternehmen im Verhältnis zu seinen Kosten?

Das ist zugegeben die schwierigste Kennzahl, weil der "Return" oft schwer zu beziffern ist. Aber zumindest für den Außendienst lässt sich eine Näherung berechnen: Wie viel Umsatz generiert ein Außendienstmitarbeiter pro Monat, und wie viel kostet sein Fahrzeug?

Wenn ein Vertriebler 80.000 EUR Umsatz pro Monat bringt und sein Fahrzeug 900 EUR kostet, ist die Rechnung eindeutig. Der Fuhrpark ist kein Kostenproblem -- er ist ein Umsatztreiber.

Vom Reporting zur Entscheidung

Kennzahlen allein ändern nichts. Entscheidend ist, was du daraus machst. Ein monatliches Fuhrpark-Reporting, unterstützt durch digitale Tools, sollte nicht nur Zahlen auflisten, sondern Handlungsempfehlungen ableiten.

Drei Fragen, die jedes monatliche Reporting beantworten sollte:

Welche Fahrzeuge sind auffällig teuer -- und warum? Welche Maßnahmen greifen, welche nicht? Wo liegt das größte Einsparpotenzial für die nächsten 6 Monate?

Wenn dein Reporting diese Fragen nicht beantwortet, ist es nur eine Datensammlung. Schön formatiert, aber nutzlos. Die Kunst liegt darin, aus zehn Kennzahlen die drei herauszufiltern, die gerade am meisten Hebel haben -- und sich darauf zu konzentrieren.

Gutes Reporting braucht klare Rahmenbedingungen. Im Polazy Car Policy Builder legst du Fahrzeugklassen, Budgetgrenzen und Nutzungsregeln fest -- die Grundlage, gegen die du deine Kennzahlen messen kannst.